Zöliakie

Als bei unserem älteren Sohn im Alter von vier Jahren der Verdacht auf Zöliakie geäußert wurde, kannten wir diese Erkrankung nicht. Wir waren verwundert, dass uns der Kinderarzt sagte, dass sich unser komplettes Leben verändern würde, sollte sich diese Diagnose bestätigen. Und somit machten wir uns auf den Weg, die Zöliakie zu verstehen:

Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung, die durch das Klebereiweiß Gluten ausgelöst wird. Gluten steckt in sehr vielen Getreidesorten wie Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste, Kamut, Grünkern, Einkorn, Emmer, Triticale und handelsüblichem Hafer.

Bei Menschen mit Zöliakie löst Gluten eine chronische Entzündung des Dünndarms, genauer gesagt der Dünndarmschleimhaut, aus. Durch diese Entzündung bilden sich die auf dem Dünndarm sitzenden Zotten zurück. In meinem Buch „Zöli wohnt in meinem Bauch“ erkläre ich den Kindern, dass man sich diese Zotten wie kleine Berge auf dem Darm vorstellen muss. Eigentlich sollten diese Berge sehr hoch sein. Durch das Gluten – und den damit ausgelösten Prozess – werden sie aber immer kleiner und sind teilweise nicht mehr vorhanden. Ohne die Darmzotten können die Nährstoffe aus der Nahrung nur schlecht aufgenommen werden und bleiben unverdaut im Darm. Somit wird der Körper nicht mehr ausreichend mit Vitaminen versorgt.

Es gibt eine große Anzahl von Symptomen, die es oft schwer machen, die Zöliakie zu diagnostizieren. Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Antriebslosigkeit und Gewichtsverlust sind nur einige der möglichen Symptome, die durch die Zöliakie hervorgerufen werden. Auch verschiedene neurologische Beschwerden, Diabetes mellitus Typ 1 oder Hashimoto-Thyreoiditis,  können Begleiterscheinungen einer Zöliakie sein. Oftmals sind die Symptome sehr diffus und unspezifisch.

Daher ist eine fachärztliche, gesicherte Diagnose absolut wichtig. Sollte ein erster Anfangsverdacht aufgrund von Beschwerden bestehen, müssen spezifische Antikörper im Blut bestimmt werden. Sollten diese auffällig sein, muss zur Sicherung der Diagnose eine Gewebsbiopsie entnommen werden.

Wichtig zu wissen ist, dass eine gesicherte Diagnose nur unter glutenhaltiger Ernährung erfolgen kann, da ansonsten die Blutwerte verfälscht oder die Darmzotten sogar regeneriert sein können! Sollte also der Verdacht bestehen, sollte niemals „auf eigene Faust“ das Gluten weggelassen werden, bevor nicht eine sichere Diagnose stattgefunden hat!

Eine strenge glutenfreie Ernährung ist bei Zöliakie-Betroffenen derzeit die einzige Therapieform. So dürfen auch nicht die kleinsten Spuren von Gluten konsumiert werden. Das löst oftmals bei Nicht-Betroffenen Irritation aus. Ganz nach dem Motto „der kleine Krümel macht doch jetzt nichts“ wird manchmal nicht verstanden, wie streng eine solche glutenfreie Ernährung eingehalten werden muss! Denn ja, jeder noch so kleine Krümel macht etwas aus und löst sofort eine Reaktion im Darm aus! Umso wichtiger ist es abzuklären, ob wirklich eine Zöliakie vorliegt oder eventuell „nur“ eine Glutensensitivität.

Eine Schätzung besagt, dass es in Deutschland circa 800 000 Menschen gibt, die von einer Zöliakie betroffen sind. Tatsächlich diagnostiziert ist sie zum jetzigen Zeitpunkt aber bei wesentlich weniger Menschen, so dass von einer hohen Dunkelziffer auszugehen ist!